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Blütenschätze und ihre Kräfte entdecken – im Emmental
Blütenschätze und ihre Kräfte  entdecken – im Emmental Wasen:

Eine Vielfalt an Blumen lernten die Teilnehmenden der Wanderung «Blumen- und Blütenkräfte» kennen. Dabei durften sie Märchen hören und selber Blütenprodukte herstellen.

«Es war einmal ein grosser Kaiser in einem grossen Reich. Seine Tochter war die schönste Prinzessin der ganzen Welt. Doch so schön sie war, so eingebildet und stolz war sie auch, und sie besass nur die edelsten Schätze. (...) Eines Tages stand die Prinzessin im Schlossgarten und fragte sich, was sie wohl noch haben möchte.»

Dies ist der Beginn eines der Märchen, welche die Märchenerzählerin Marianne Noack während der Märchenwanderung in Wasen erzählte – die Geschichte einer verwöhnten Prinzessin, die sich eines Tages ein Diadem aus Tautropfen von ihrem Vater wünschte und ihm drohte, sie wolle sterben, falls er ihr das Geschenk nicht machen werde. Der Kaiser rief daraufhin die geübtesten und begabtesten Juweliere zusammen, um diese Aufgabe zu bewältigen, doch allesamt scheiterten sie. Einzig ein alter Mann konnte die eigensinnige Prinzessin zur Einsicht bringen, als er sie den Tau selbst pflücken liess und ihr klar wurde, dass ihr Wunsch nicht erfüllt werden konnte.

Die Fähigkeit, solch längst vergessene Geschichten ihren Zuhörern auf eine einzigartige und lebhafte Art und Weise weiterzugeben, eignete sich Marianne Noack während zwei Ausbildungen zur Märchenerzählerin an, welche sie bei der Mutabor Märchenstiftung absolvierte. Den Beruf wolle sie aber nicht professionell ausführen, erklärt Noack: «Gemütliche Anlässe wie die heutige Wanderung sind perfekt für mich und meine Märchen.»

Nat-Ur-Verbunden

Die Wanderung geleitet hat Martina Krähenbühl. Vor vier Jahren kam sie auf die Idee, Wanderungen mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkräfte, Naturerlebnis und Märchen auf einer Internetseite namens Nat-Ur-Verbunden.ch anzubieten. Heute nimmt die Beliebtheit der Märchenanlässe nach wie vor zu: «Im Frühling musste ich sogar einigen Interessenten für eine Baumwanderung absagen, da sich einfach zu viele Personen angemeldet hatten», berichtete Martina Krähenbühl. «Mein Ziel war es, mein Wissen und meine Faszination für Pflanzen an andere Personen weiterzugeben.» Ihre hervorragenden Kenntnisse über die Pflanzenwelt habe sie sich zu einem grossen Teil selbst beigebracht, habe aber kürzlich eine Schule für Pflanzenheilkunde in Bern abgeschlossen, mit welcher sie ihr Wissen festigen konnte. «Ich wollte den Besuchern aber nicht nur die Pflanzen näherbringen», erklärte die Wanderleiterin, «sondern auch die vergessenen Märchen wieder etwas aufleben lassen». Das Märchen würde auf seine Weise von Heilkräften erzählen und sei deshalb ein wertvoller Begleiter auf ihren Wanderungen.

Das eigene Heilmittel hergestellt

Dank dem Patronat und der Mithilfe der Märchenstiftung Mutabor in Trachselwald dürfe sie nun alle Anlässe gemeinsam mit einer Märchenerzählerin durchführen. Selbst nach so langer Zeit bereiten ihr die Anlässe immer wieder grosse Freude: «Je länger ich Wanderungen leite, umso mehr werde ich mir der enormen Pflanzenvielfalt im Emmental und Entlebuch bewusst», sagte Martina Krähenbühl.

Nicht nur faszinierenden und naturnahen Märchen durften die Besucher letzten Samstag lauschen, sondern auch den wunderschönen Emmentaler Blumen konnten sie sich den ganzen Tag widmen. Im Verlauf der Tageswanderung wurde eine Vielzahl an Blüten gesammelt und schliesslich zu einer Bachblütenmischung, Tinktur oder einem Öl verarbeitet. Dabei wurden alle Blumen achtsam gepflückt – zuerst hörten die Besucher den wissenswerten Erläuterungen der Wanderleiterin über die verschiedenen Heilkräfte der Blumen aufmerksam zu, um später Experte über ihr eigenes Blütenprodukt zu sein. Auf dem heimeligen Wanderweg waren sie dutzenden Pflanzenarten begegnet, welche oft in ähnlichen Farben und Formen blühten. Und so konnten die Besucher abends zufrieden nach Hause zurückkehren, mit vielen Eindrücken und ihrem selbst hergestellten Heilmittel.

12.07.2018 :: Nina Tschanz
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