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Bei einem weiteren Bauernbetrieb wird es dunkel im Stall
Bei einem weiteren Bauernbetrieb wird es dunkel im Stall Zäziwil: Am Morgen des 16. März melken die Hubachers zum letzten Mal ihre 30 Kühe. Dann werden Vieh und Maschinen versteigert, das Land verpachtet – ein Bauernbetrieb verschwindet.

Die Kühe geniessen den Auslauf und die beiden Hunde lassen keinen Zweifel aufkommen, wer hier Chef im  Revier ist. Von aussen sieht man dem Bauernhof «Boden» an der Oberthalstrasse 6 noch nicht an, dass schon bald alles anders wird. Doch hinter den Fassaden gibt es in den letzten Wochen vor der Steigerung viel zu tun. Listen müssen erstellt, Inserate geschaltet und die Festwirtschaft organisiert werden. Zusätzlich läuft der Alltag für die Gebrüder Walter und Rudolf Hubacher, sowie Rudolfs Frau, Marianne, wie gewohnt weiter. 

Zwei Generationen Hubacher 

Eigentümer des Pachtbetriebs ist in dritter Generation Christoph Lerch aus Dürnten (ZH). Sein Grossvater hatte das stattliche Gut ursprünglich erworben, es aber nie selber bewohnt. Ein paar Jahre nach dem Kauf, 1958, zog Ernst Hubacher als Pächter auf den Hof – die erste Generation Hubacher. «Wir halfen unserem Onkel oft auf dem Betrieb», erinnern sich Rudolf und Walter Hubacher. Als Ernst Hubacher starb, wollte keines seiner Kinder den Betrieb weiterführen. Deshalb gab Ernst Hubachers Witwe den Hof auf und versteigerte im Jahr 1976 Tiere und Gerätschaften. «Schon damals war Alois Wyss Gantrufer», erinnert sich Walter Hubacher. «Es war seine erste Steigerung im Kanton Bern.» 

Im selben Jahr zog Werner Hubacher, der Bruder des Verstorbenen, mit Frau und Kindern von Röthenbach nach Zäziwil und übernahm die Betriebsleitung. 1983 übergab er das Zepter seinen Söhnen Walter und Rudolf Hubacher. Marianne Hubacher kam 1986 dazu und gründete mit Rudolf eine Familie. Heute sind ihre drei Töchter und der Sohn erwachsen und haben eigene Wege eingeschlagen. 

30 Kühe im Stall 

Auf dem Hof produziert die Familie  Hubacher silofreie Milch mit rund 30 Red-Holstein- und Swiss-Fleckvieh--Kühen. Fast ebenso viele Rinder und Kälber vervollständigen die Herde. Die Milch wird in der nahe gelegenen Käserei Eyweid verarbeitet. Insgesamt bewirtschaftet die Familie 26 Hektaren Land und rund zwei Hektaren Wald. Zum «Boden» gehören der Wald sowie acht Hektaren Land; der Rest wurde dazu gepachtet oder ist Eigentum von Hubachers. 

In den letzten 36 Jahren habe sich die Arbeit als Landwirt schon ziemlich verändert, erzählen sie. Vor allem die Bürokratie sei heutzutage extrem. Verbessert hätten sich dafür die Arbeitsabläufe, sagt Walter Hubacher. «Früher machte man alles komplizierter, auch wenns einfacher gegangen wäre.» Das Bauernsterben ist auch in Zäziwil an der Tagesordnung, wie er feststellte: «Wenn ich morgens in den Stall ging und die Strasse entlang schaute, sah ich früher überall beleuchtete Ställe.» Heute sei es dunkel geworden.

Nicht jammern

Dunkel wird es bald auch im Stall der Hubachers. Der Grund warum sie das Bauern aufgeben ist schnell erzählt: Altershalber. Will heissen, der ältere Bruder Walter Hubacher wurde pensioniert und Rudolf Hubacher erschweren gesundheitliche Probleme die körperliche Arbeit. Aber jammern wollen sie nicht. Der Entscheid haben sie sich gut überlegt. Die Bäuerin betont, dass die Hofaufgabe nichts mit dem Besitzer zu tun hat. «Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu Lerchs, auch zur jetzigen Generation.» 

Am kommenden Samstag kommt also nicht nur alles Vieh unter den Hammer, sondern auch drei Traktoren, ein Ladewagen, eine Heubelüftung und viele weitere Maschinen und Geräte. Es ist ein grosser Schritt für die Bauernfamilie und es scheint, als denke keiner von ihnen besonders gerne an die Zeit danach. «Me wirds de gseh, wes so wyt isch». Positiv sei aber, dass sie weniger angebunden sein werden und mehr Zeit für die Familie hätten, besonders für den Enkel. 

«Vorläufig bleiben wir da»

Da Marianne und Rudolf Hubacher noch nicht pensioniert sind, arbeiten sie auch in Zukunft weiter. Marianne Hubacher Teilzeit im Service, wie bisher und Rudolf Hubacher hat ebenfalls eine Stelle in Aussicht. Auch Walter Hubacher behält sein Nebenamt bei der Gemeinde. Dank des guten Verhältnisses zu den Pächtern müssen Hubachers nicht gleich ausziehen. «Vorläufig bleiben wir da», sagt Rudolf Hubacher. Was mit dem Hof in Zukunft geschieht und ob darauf überhaupt noch Landwirtschaft betrieben wird, lässt der Eigentümer des «Boden», Christoph Lerch, noch offen.  

14.03.2019 :: Rebekka Schüpbach
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