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Bauern sollen das Gespräch mit den Kritikern suchen
Bauern sollen das Gespräch mit  den Kritikern suchen Trachselwald:

Der traditionelle Wirtschaftsanlass in der Mehrzweckhalle «Chramershus» in Heimisbach stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Landwirtschaft.

Ein rauer Wind weht in der Landwirtschaft. Negative Schlagzeilen sind an der Tagesordnung, die Milchpreise im Keller. Auch deshalb entschied sich der Gemeinderat Trachselwald, heuer etwas für seine Bauern und Bäuerinnen zu organisieren. Die meisten von ihnen sind am letzten Freitagabend gekommen, um sich auszutauschen und dem Präsidenten des Berner Bauernverbandes (BBV) zuzuhören. Hans Jörg Rüegsegger ist «Bauer mit Leib und Seele». Der Vater fünf erwachsener Kinder bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn André einen Milchviehbetrieb in Riggisberg. Seit 2012 vertritt er die rund 10’500 Bauernfamilien des Kantons Bern.


Es braucht mehr Lernende

Die Liste der zu bearbeitenden Themen im Bauernverband ist lang. «Sehr wichtig für uns ist die Bildung», sagte Rüegsegger. In diesem Jahr absolvierten 650 junge Leute die dreijährige Lehre. Benötigt würden jedoch 350 bis 400 Lernende – pro Lehrjahr. Doch immerhin gehe der Trend wieder aufwärts, machte Rüegsegger Mut. «Wir sind auf gutem Weg.» 

Auch das Reizthema Direktzahlungen sprach Hans Jörg Rüegsegger an. «Einer der grössten Irrtümer», wie er sagte. Viele Leute ohne landwirtschaftlichen Bezug meinten immer noch, es handle sich dabei um Subventionen, dabei werde stets eine Gegenleistung verlangt. Seine Berufskollegen forderte er zum Dialog mit den Kritikern auf. «Sucht das Gespräch mit ihnen und erklärt, worum es geht.» Der Präsident des BBV betonte, dass die teilweise grosse Abhängigkeit vom Bund keineswegs im Sinne der Bauern sei. Diese sollten wieder selber Verantwortung übernehmen dürfen. Er forderte ein Umdenken seitens der Agrarpolitik, etwa wieder den einzelnen Betrieb in den Mittelpunkt zu stellen und mehr Transparenz auf den Märkten. Die Bauern sollten nicht als Problem gesehen werden, sondern als Teil der Lösung.

Wertschätzung erwünscht

Von den Konsumenten wünschte sich Hans Jörg Rüegsegger wieder «mehr Wertschätzung gegenüber den einheimischen und qualitativ hochwertigen Produkten». Immerhin gälten in keinem anderen Land strengere Vorschriften, die auch kontrolliert würden, nirgends seien die Transportwege so kurz. Zudem seien die Produkte im Vergleich zu den Löhnen günstig. So werde hierzulande nur sieben Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben.

Den Bauernfamilien, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, empfahl Rüegsegger, sich zwei Fragen zu stellen: Wo steht unser Betrieb in zehn Jahren und welche Ziele haben wir? Jeder Familienbetrieb sei individuell und müsse unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und Stärken angeschaut werden. Hans Jörg Rüegsegger plädierte allgemein für mehr Toleranz und betonte: «Neid und Missgunst bringen uns nicht weiter.»

09.11.2017 :: Rebekka Schüpbach
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