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Bauen und stauen, damit das Hochmoor wieder wachsen kann
Bauen und stauen, damit das  Hochmoor wieder wachsen kann Wachseldorn:

Der Weg durch das Wachseldornmoos wird zurückgebaut und mit Stauwänden das Wasser im Moor zurückbehalten. So sieht es die zweite Bauetappe vor. Die erste ist abgeschlossen.

«Der Weg mitten durchs Wachseldornmoos teilt das Moor in zwei Hälften: südlich in ein Hochmoor, nördlich in Flachmoor.» Dies sagt Thomas Leu, Projektleiter in der Abteilung Naturförderung des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und Natur. Ziel der zweiten Bauetappe sei es, die beiden Flächen wieder zu verbinden, so wie das früher der Fall gewesen sei. «Das Hochmoor soll wieder wachsen.» Damit das gelingen kann, wird der rund 400 Meter lange Weg zurückgebaut. Dieser wurde im 19. Jahrhundert erstellt, um Torf abzubauen. In einer ersten Bauetappe (siehe Kasten) wurde als Ersatz ein neuer Weg ausserhalb der Moorfläche erstellt. 

Mit dem Entfernen des Weges ist es aber noch nicht getan. Weil das Moor von Nordwest bis Südost eine Neigung von 2,5 Metern aufweise, müsse der Wasserfluss mit fünf Dämmen gebremst werden, wie Thomas Leu ausführt. «Damit erreichen wir, dass das Regenwasser möglichst lange im Moor zurückgehalten wird.» Teile des Moors könnten so wieder permanent vernässt werden. Dazu gehöre auch, dass der Seespiegel des jetzigen Stauweihers langsam angehoben werde. Das Aufstauen des Wassers geschehe in dieser Etappe und einem weiteren Schritt in zehn bis 15 Jahren. Ein konstanter Wasserpegel sei unerlässlich, um den Abbauprozess im Moor zu stoppen und das Torfwachstum zu ermöglichen. 

Kunststoff statt Holz

Um das Wasser zurückzuhalten, werden fünf Dämme mit einer Länge von 15 bis 60 Metern erstellt. Dazu kommen kleinere, drei bis sechs Meter lange Grabenverschlüsse. Verbaut wird nicht Holz, sondern ein Kunststoff aus Hartvinyl. Passt das in eine Moorlandschaft? Seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative 1987 stehen Moore immerhin unter dem Schutz der Bundesverfassung. «Natürlich wäre Holz sympathischer», gibt Thomas Leu zu. Das Problem sei, dass der Teil, der nicht dauerhaft im Wasser stehe, mit der Zeit verfaule und unter Umständen bereits nach 20 Jahren repariert werden müsste. «Das würde nicht nur einen erneuten Eingriff in das Moor bedeuten, sondern wäre auch kostenintensiv», sagt der Projektleiter. «Mit dem Kunststoff erhalten wir eine dauerhafte Lösung, die mindestens 200 Jahre Bestand hat.» 

Torf zum Auffüllen

Die Spundwände für die Dämme stehen an einigen Orten bis zu 80 Zentimeter aus dem Boden heraus, erklärt Thomas Leu. Damit sie nicht sichtbar sind und überwachsen werden können, sollen sie mit Torf abgedeckt werden. Torf ist auch nötig, um den Weg, der ausgebaggert wird, teilweise aufzufüllen. Entnommen wird das Material vor Ort. «Wir beziehen es von einer Stelle, wo in der Zeit des Abbaus bis zu eineinhalb Meter hohe Torfstiche zurückgelassen wurden», so Leu. Diese aus dem Gelände herausragenden Torfhöcker würden abgetragen. Dort entstehe wertvoller Lebensraum, weil der tiefer liegende Torf permanent mit Wasser gesättigt werde. 

Ökofonds zahlen drei Viertel

Das kantonale Amt für Landwirtschaft und Natur plant, die zweite Etappe von August bis Oktober 2018 auszuführen. Danach sei das Projekt abgeschlossen, es komme höchstens noch zu kleineren Anpassungen, sagt Thomas Leu. Die Projektunterlagen liegen noch bis zum 18. Dezember auf der Gemeindeverwaltung Wachseldorn auf. Bis dahin kann Einsprache erhoben werden.  

Die Kosten für das gesamte Projekt betragen knapp eine Million Franken. Die 500’000 Franken der ersten Phase seien zu drei Vierteln durch den Ökofonds von Energie Thun getragen worden, den Rest teilten sich Bund und Kanton zu etwa gleichen Teilen, sagt Leu. Die zweite Etappe sei auf 480’000 Franken veranschlagt und es werde ein gleicher Kostenteiler angestrebt. Für die drei Viertel hätten sie bereits eine Zusage von Energie Thun, die Antwort des Ökofonds der BKW stehe noch aus. Die Gemeinden hätten keine Kosten zu tragen. 

Neuer Weg angelegt und Torfhütten gezügelt

Die erste Bauetappe im Wachseldornmoos wurde im Mai abgeschlossen. Nördlich des Moors wurde ein neuer, 500 Meter langer Kiesweg angelegt. Dieser führt nicht mehr mitten durch, sondern am Rand des Schutzgebiets entlang. «Der erste Teil dient auch als Zugang für die sechs, sieben Bewirtschafter, die Teile der Wiesen im Moor einmal pro Jahr mähen», erklärt Projektleiter Thomas Leu vom Amt für Landwirtschaft und Natur. Auf diesem Stück könne der Weg von Traktoren befahren werden. Danach verschmälere er sich und diene als Wander-, Velo- und Reitweg. 

Ebenfalls in der ersten Phase wurden vier Torfhütten, die im Zentrum des Moors standen, an den Osteingang gezügelt. «Sie wären nach der zweiten Etappe im Wasser gestanden», erklärt Leu. Die «Hüsli» sollen als historische Zeitzeugen erhalten bleiben. Früher seien über 50 dort gestanden. Eine der Hütten hätten sie zugänglich gemacht. «Wir werden noch Stelen anbringen mit Angaben über die Geschichte des Hochmoors und den Torfabbau.»  

Torf als Brennholzersatz

Wie im historischen Lexikon der Schweiz zu lesen ist, diente Torf während des ganzen 18. Jahrhunderts als Brennholzersatz. Das 19. Jahrhundert, vor allem die zweite Hälfte, war für die Torfstecherei ein goldenes Zeitalter (wachsenden Bevölkerung, expandierende Industrie). Doch dann konkurrierte die importierte billigere Kohle den Torf und ersetzte ihn grossenteils bereits vor 1900. Durch die Rationierung von Kohle während der beiden Weltkriege kam es zu letzten Phasen des Torfabbaus im grossen Stil. Diese nahm nach 1945 stark ab und das Material wurde nur noch im Gartenbau verwendet. 

Zum Schutz der Moore verbot die 1987 angenommene Rothenthurm-Initiative den Torfabbau.

 


 

30.11.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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