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Belastungsreduzierende Banden  vermindern den Aufprall –  Hirnerschütterungen wird es aber weiter geben. 

Im schweizerischen Eishockey Reformen umzusetzen, dauert meist lange oder ewig. Nicht so bei der Einführung von «belastungsbegrenzenden Bandensysteme»: Im Juni 2016 hatte die Verbandsversammlung beschlossen, solche einzuführen und zwar spätestens ab der Saison 2018/19. In der National League sind bislang fünf Stadien mit den flexibleren Banden ausgerüstet: Biel, Bern, Davos, Lugano, Zug und Lausanne. 

Banden kippen etwas nach hinten 

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU hat letztes Jahr zu dem Thema umfassende Tests durchgeführt. Dabei wurden belastungsreduzierende Banden verschiedener Anbieter mit bisher verwendeten, starren Banden verglichen. In Langnau beispielsweise sind die Banden an massiven Stahlstützen montiert, welche ihrerseits am Boden festgeschraubt sind. Bei einem Aufprall geben die Banden so gut wie gar nicht nach. Bei den neuen Systemen werden die Banden zwar auch am Boden verankert, verfügen aber beispielsweise über eine Art Scharnier. Prallt ein Spieler gegen die Bande, so neigt sich diese ein Stück weit nach hinten und federt den Aufprall etwas ab. In der BFU-Studie ist dabei von einer «grösseren Auslenkung» und «kleineren Steifigkeit» die Rede. «Man darf sicher keine Wunder erwarten», sagt Hansjürg Thühler von der BFU, welcher an der Studie mitgearbeitet hat. «Die Bande bringt vor allem hinsichtlich der Schulter- und Hüftverletzungen klar Vorteile. Die Hirnerschütterungsproblematik – welchederzeit intensiv diskutiert wird – lässt sich aber mit neuen Banden nicht lösen.» Zwar werde auch der Aufprall mit dem Kopf etwas gemildert, die Bande sei aber auch so noch viel stärker als der Kopf des Spielers. 

Auch das Fazit der Studie ist zweigeteilt: «Das neue Design der Bandensysteme kann grundsätzlich positiv beurteilt werden. Nachteile sind nicht zu erkennen, doch die Vorteile scheinen noch nicht ausgeschöpft zu sein. Das Design könnte weiter optimiert werden, um die Belastungen eines Spielers beim Anprall weiter zu reduzieren.» 

Versuche in den Stadien geplant 

Die Systeme können sicher noch weiterentwickelt werden, ist Hansjürg Thüler überzeugt. Nach den Tests im Labor werde als nächster Schritt die Wirkung der neuartigen Banden in Eisstadien untersucht. 

Im Eisstadion des SC Bern sind seit der Saison 2016/17 belastungsreduzierende Banden montiert. «Die Erfahrungen waren bisher ausschliesslich gut», sagt Rolf Bachmann, Leiter Unternehmenseinheit Sport beim SCB. Treten gewisse Verletzungen weniger auf? «Das ist schwer zu sagen, weil es keine Aktionen mit identischen Spielszenen und Spielern gibt, die man 1:1 vergleichen könnte. Man kann nur generell festhalten, dass die verbesserte Kraftabsorbierung beim Aufprall für die Spieler in jedem Fall positiv ist.» 

Es sind viele Details, welche die neuen Banden besser machen. Unter anderem sind sie deutlich kleiner – 1,10 statt 1,25 Meter hoch. Auch wird der Handlauf besser abgerundet und auch weicherem Material hergestellt. 

 

Die neuen Banden sind bestellt – zur Finanzierung sagt der Präsident nichts

An der Hauptversammlung der Ilfisstadion AG (Isag) im November war noch nicht klar, wie der Ersatz der alten Banden vonstatten gehen soll. «Die Isag wird mit den SCL Tigers nach Wegen suchen, um die Finanzierung der rund 250’000 Franken teuren Banden zu lösen», war im Geschäftsbericht zu lesen. 

«Die neuen Banden sind bestellt»

«Der geschäftsleitende Ausschuss hat die Anschaffung der neuen Banden genehmigt. Sie sind bestellt und werden Anfang Juli montiert werden», sagt Bernhard Gerber, seit November Präsident der Isag. Er verhehlt nicht, dass er trotz der unverkennbaren Vorteile der belastungsreduzierenen Banden über das Vorgehen erstaunt ist. «Als 2012 die Sanierung abgeschlossen war, wurde das Stadion als einwandfrei abgenommen – nun machen die Clubs die Auflage, dass zwingend andere Banden montiert werden müssen. Die Stadionbetreiber aber konnten überhaupt nicht mitreden.» Die hohe Verletzungsgefahr lasse sich allein mit Banden, welche beim Aufprall etwas nachgeben, nicht gänzlich mindern. «Da müssten wohl eher die Spielregeln angepasst werden», meint Gerber. 

Zur Finanzierung der neuen Banden will der Präsident keine Stellung nehmen. Er bestätigt aber, dass die Isag rund 250’000 Franken investieren müsse und dass die Finanzierung gesichert sei. Im Geschäftsjahr 2016/17 wies die Isag bei Einnahmen von 946’000 Franken einen Reingewinn von rund 14’000 Franken aus. Weiter mieten kleinere Klubs die Ilfishalle. Wird die Investition von 250’000 Franken an die Mieter weitergegeben? «Wir betrachten die moderneren Banden als eine Investition in die Zukunft, die das Angebot der Ilfishalle verbessert. Eine Erhöhung der Mieten ist nicht vorgesehen», hält Gerber fest. 

Die gleichen Banden wie in Davos 

Viele Anbieter für belastungsreduzierende Banden gibt es nicht. Im «Anhang 3» des  «technisches Reglement Eissportanlagen» des schweizerischen Eishochkeyverbands sind vier Modelle sowie ein Prototyp aufgeführt. «Wir haben in Zürich, Zug und Davos drei Modelle angeschaut», sagt Langnaus Eismeister Daniel Gerber. «Am Ende haben wir uns für dasselbe wie in Davos entschieden.» In den Tests der BFU schnitten diese Banden am zweitbesten ab. 

Geplant ist, dass oberhalb der Banden Plexiglas montiert wird. «Wir haben schon jetzt Plexiglas und machten damit gute Erfahrungen», erklärt der Eismeister. Die neuen Plexiglasplatten würden beidseitig gehärtet, was eine längere Lebensdauer garantieren solle. Insgesamt hätten die gewählten Banden dank der sauberen Verarbeitung überzeugt. «Auch von aussen besteht kaum die Gefahr, dass sich jemand die Finger einklemmt», hat Daniel Gerber festgestellt. Hinzu komme, dass die Stützen im Unterschied zu andern Anbietern aus Kunststoff fabriziert würden, was den Aufprall weiter minimiere. Mitarbeiter der Firma Engo werden die Masse der Langnauer Eisbahn nun genau aufnehmen. Denn nicht alle Eisrinks sind exakt gleich gross – der Eishockeyverband gibt Maximal- und Minimalmasse vor. «Dann müssen auch die Türen individuell angepasst werden», gibt der Eismeister zu bedenken. «Wir fahren mit der Eismaschine in der Kurve aufs Feld», nennt er ein Beispiel. 

Eispiste muss nicht saniert werden

Vor der Stadionsanierung von 2012 wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass in absehbarer Zeit auch die Eispiste, die Betonplatte auf der das Eis gemacht wird, ersetzt werden müsse. In der Betonplatte sind ähnlich wie bei einer Bodenheizung Rohre verlegt, durch die ein Kühlmittel zirkuliert. Unter anderem sei die bestehende Platte zu wenig dick und nicht isoliert, was zu Energieverlusten führt. 2011 wurden die Kosten für den Ersatz der Eispiste auf zwei Millionen Franken beziffert. 

«Die Eispiste taugt», lautet Bernhard Gerber Antwort auf die Frage, ob die Betonplatte im Stadion vor der Montage der neuen Banden auch erneuert werde.  

 

01.02.2018 :: Bruno Zürcher
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