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Aus einer Entlebucher Sage wurde eine Kurzoper
Schüpfheim:

 

Die Kantonsschülerin Selina Wyrsch hat als Maturaarbeit eine der bekanntesten Entlebucher Sagen vertont. Dabei führte sie Regie und spielte auch selber mit.

 

Es war eine in jeder Hinsicht einmalige kulturelle Veranstaltung in der historischen Bauernstube im Obergeschoss des Entlebucherhauses. Die Kurzoper «Der Fluch auf der Schrattenalp» ist die Maturaarbeit der 21-jährigen Selina Wyrsch, die nächsten Sommer die Kantonsschule Schüpfheim im Talentbereich Musik abschliessen wird.

Die Kunde über diesen Anlass verbreitete sich so schnell, dass am Aufführungstag, neben Referentinnen und Lehrern, so viele Leute kamen, dass die Oper zwei Mal aufgeführt wurde. Weil die junge Studentin in ihrer Freizeit selber komponiert, kam sie auf die Idee, für ihre Maturaarbeit eine Oper zu schreiben. Beim Spaziergang mit ihrem Hund beschloss Selina Wyrsch, die schöne Landschaft in ihre Arbeit einzubeziehen, was auch in den Arien zum Ausdruck kommt. 

Vom schönen Land zur Steinwüste 

Mit dem Komponieren der ersten Musikstücke als Grundstock für ihre Arbeit begann Selina Wyrsch im November letzten Jahres. Gleichzeitig beschäftigte sie sich mit der Sagenwelt des Entlebuchs. Nach anfänglichem Zögern wählte sie als Vorlage die Sage von der Schrattenfluh, die sich gut für eine Oper eignet. In ihrem Erstlingswerk führte die Komponistin nicht nur Regie, sondern spielte auch selbst eine der von ihr vertonten Rollen. Musikalisch begleitet wurde sie von Linda Gisler (Klavier), Ilona Distel (Violine) und Mirjam Vogel (Cello). Richard Portmann trat im historischen Gewand als Zeitzeuge auf und zog das Publikum sofort in seinen Bann. Dass der bekannte Sagenexperte ihre Anfrage spontan annahm, hat Selina besonders gefreut. 

Spuren des Teufelss

Die Schrattenalp, heute eine Steinwüste, so der Erzähler, sei doch mal eine wunderschöne Alp gewesen. «Dem Senn und der Sennin ging es gut und wäre es noch besser gegangen, wenn nicht der Jüngere der beiden Söhne blind geboren wäre.» 

Abwechselnd zwischen Operngesängen und Sprechtexten entfaltete sich so die Geschichte der äusserlich und innerlich ungleichen Brüder, des blinden, feinfühligen Josts (Manuele Polli, Tenor) und des gesunden, geizigen Hannes (Nicolas Koch, Bariton), der die Grenzsteine zu seinen Gunsten versetzte. Auch Hannes Tochter Rösi, eindrücklich gespielt von Sopranistin Selina Wyrsch, liebte den Besitz. Als auch der Knecht (Raisa Ierone, Mezzosopran) dem Betrug nicht mehr zusehen konnte, nahm das dramatische Geschehen seinen Gang. Es heisst, noch heute sehe man die Spuren des Teufels auf der Schrattenfluh, wo niemand mehr leben kann. Nur das Schyben-Rösi soll in der Schibenhöhle mit seinen Kisten noch hausen. 

Die Kurzoper weiter entwickeln

Selina Wyrsch hat die Aufgabe, die sie sich gestellt hat, glänzend gemeistert. Geholfen hat ihr auch, dass sie zu Beginn einen Zeitplan erstellte. Bei der ersten von insgesamt acht Proben, die in den Sommerferien begannen, hat auch sie zum ersten Mal die Musik gehört. «Das hat Freude gemacht», sagt sie lachend. «Beim Komponieren habe ich aber manchmal einige Anläufe gebraucht, bis ich mit mir selbst zufrieden gewesen bin», gibt sie zu. 

Die Kantonsschülerin spielt mit dem Gedanken die Oper für ein Kammermusikorchester weiter zu entwickeln. Nach der Matura will sie ein Musikstudium absolvieren in der Sparte Klassik mit Gesang und Komposition. Eine erste Etappe hat sie mit dieser Arbeit erreicht. Sicher wird man in Zukunft noch von ihr hören. 

04.10.2018 :: Bernadette Waser
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