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Auf dem Pfad der Geschichte
Auf dem Pfad der Geschichte Emmental:

Jonas Glanzmann hat im Buch «Emmental – eine Landschaft erzählt Geschichte» zig historische Informationen dieser Region zusammengetragen und miteinander verknüpft. 

Jonas Glanzmann, seit Jahren forschen Sie im Emmental. Was gab den Ausschlag nun ein Buch herauszugeben? 

In den letzten Jahren hatte sich mein Bild  des historischen Emmentals stark geschärft. Ich konnte mehrere bislang unbekannte Burgstellen nachweisen, zudem habe ich die Kirchen und Klöster genauer erforscht. Der entscheidende Punkt war aber, das ich herausfand, dass ein umfangreiches Wegnetz die besiedelten Orte verband und das Emmental auch als Transitregion diente, insbesondere von Nord nach Süd. 

Dabei galt das Emmental lange als historisches Niemandsland, wohin sich vor Jahrhunderten niemand verirrt habe.

Es gab schon viele Hinweise, die auf eine dichtere Besiedlung und ein regeres Leben im Mittelalter hingedeutet haben. Unter anderem hatte der einstige Staatsarchivar Fritz Häusler in seinen in den Fünfzigerjahren erschienen Büchern immer wieder Emmentaler Adlige erwähnt und die mussten irgendwo gelebt haben! 

 

Wurde das Emmental demnach von den Historikern unterschätzt?

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass in der Gegend viel mehr los war, als bisher angenommen. Bereits in der Römerzeit dürfte das Emmental unter anderem wegen des grossen Holzvorrats interessant gewesen sein. Aber es gab bis anhin kaum Ausgrabungen und die gemachten Funde wurden als Zufälle abgebucht. Später, im Mittelalter war das Emmental wirtschaftlich von grösserer Bedeutung. Die lokale Bevölkerung konnte dank der guten Verkehrswege ihre Waren auch auswärts verkaufen. Ortskundige waren sicher auch als Säumer unterwegs. Bei der Burg Wartenstein in der Gemeinde Lauperswil hat man beispielsweise einen grossen Keller entdeckt; dieser wurde sicher nicht umsonst gebaut, sondern diente als Umschlagplatz für Waren. Der Handel war ein lohnendes Geschäft. Bereits  aus dem Habsburger-Urbar ist ersichtlich, dass hiesige Häuser ihre Abgaben mit Geld bezahlten und nicht mit Waren.   

 

Von Signau, von Schweinsberg-Attinghausen, von Rüthi – Sie nennen eine ganze Reihe von Adelsfamilien. Warum sind diese verschwunden? 

Die Familien, welche über Jahrhunderte das Geschehen im Emmental geprägt haben, wurden sozusagen von der Zeit überholt. Plötzlich wurde Bern so mächtig, dass es die Adligen gar nicht mehr brauchte. Einige sind ausgestorben, weil oft nur ein männlicher Nachkomme Kinder hatte und die restlichen Söhne in Kloster eintraten. Es gab auch Beispiele wie die von Rüthi, welche später als ganz normale Bauern weiterlebten. 

Um das göttliche Seelenheil dürfte es bei den Kirchen gegangen sein.  

Viele Adlige unterhielten ihre eigenen Kirchen, weshalb diese oft ganz in der Nähe der Burgen erstellt wurden – unter anderem, um sich einen göttlichen Vorteil zu verschaffen. Die Kirchen und insbesondere die Klöster waren aber auch für die Verwaltung wichtig. Das Kloster Trub beispielsweise hatte ein weitverzweigtes Netz an Besitztümern und war sehr einflussreich. Noch heute lässt sich anhand der Kirchen viel vom Leben von einst erfahren. Unter anderem gibt der Patron der Kirche Hinweise auf die Zeit der Gründung – man weiss heute, welcher Heilige in welcher Epoche in Mode war. 

 

Entlang von Kirchen führen die zwölf Routen, die Sie in Ihrem zweiten, kleineren Buch «Wanderungen zu Geschichte und Kultur» beschreiben. Wie ist diese Idee entstanden?

Mir ist wichtig, dass das Wissen unter die Leute kommt. Es bringt nichts, wenn ich vieles im Kopf habe, aber sonst niemand etwas davon weiss. Der Wanderführer bietet auf diesen zwölf Routen die Möglichkeit, viel Konkretes zu erfahren. Ich habe ihn zusammen mit der Tourismusorganisation «Hogerland» von Verena Zürcher entwickelt. Derzeit kläre ich ab, ob der Wanderführer vielleicht auch als App realisiert werden könnte.    

 

Was hegen Sie für Pläne betreffend der Forschung?

Klar ist, dass nach wie vor vieles im Dunkeln liegt. Mit «Emmental – eine Landschaft erzählt Geschichte» habe ich eine gute Grundlage, auf die sich aufbauen lässt.

 

Was haben Sie konkret vor? 

Angedacht ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern. Weiter möchte ich die Herrschaft Brandis noch etwas genauer unter die Lupe nehmen. Auch da gehe ich davon aus, dass das Emmental eine entscheidendere Rolle spielte als bisher angenommen. 

Historisches Wissen verknüpft

«Emmental – eine Landschaft erzählt Geschichte» bietet einen Überblick über 6000 Jahre Siedlungsgeschichte. Jonas Glanzmann hat in seinem 500-seitigen Werk zwei Schwerpunkte gesetzt: Zum einen die Erforschung von 29 Burgstellen. Hier erfährt der Leser von bekannten, teils noch bestehenden Objekten wie dem Schloss Trachselwald, aber auch von der Burgstelle Chammenegg in der Gemeinde Trachselwald, welche Glanzmann erst 2017 nachweisen konnte. Zum andern hat er sich einem Gebäudetyp angenommen, der oft nahe bei den Burgen gebaut wurden: Acht Kirchen und drei ehemalige Klöster hat Glanzmann erforscht. Anhand von Grafiken und Bildern kann in dem Buch nachverfolgt werden, wie die Gotteshäuser in ihrer langen Geschichte immer wieder verändert worden sind. All diese Bauten waren von einem umfangreichen Wegnetz verbunden – auch das ist ein Aspekt des Buches. Dieses wird mit dem Wanderführer «Das obere Emmental – Wanderungen zu Geschichte und Kultur» ergänzt, dank dem man selber auf diesen historischen Wegen wandeln kann.

«Emmental – eine Landschaft erzählt Geschichte»

500 Seiten mit vielen Illustrationen; Preis: 80 Franken;

ISBN 978-3-905980-35-6. 

«Das Emmental – Wanderungen zu Geschichte und Kultur»

334 Seiten; Preis 30 Franken; ISBN 978-3-905980-36-3 

 

03.05.2018 :: Bruno Zürcher
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