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Anwander liest aus Lieblingsbuch
Langnau:

Zum Themenabend «Friedrich Schiller und Wilhelm Tell» mit Gabriel Anwander lud am Montag die Bibliothek Langnau ein. Rund 50 Interessierte lauschten dem Schriftsteller.

«Ich muss bei Schiller an meinen Französischlehrer denken, der es sich nach seiner Pensionierung zur Aufgabe gemacht hatte, für die Sauberkeit des Tell-Denkmals zu sorgen», begrüsste die Leiterin der Regionalbibliothek, Barbara Dürst, die Anwesenden. Eine ähnliche Aufgabe hatte sich Gabriel Anwander gestellt, indem er mit viel Atmen den Staub von Klassikern pustete und zu einer Rundreise in die Welt der Tragödie lud. Diese nahm ihren Anfang, als Aristoteles 335 v. Chr. das Buch «Poetik» schrieb. Darin habe sich der Philosoph mit Dichtung und deren Gattungen beschäftigt. Handlung, Charaktere, Gedanke und Erkenntnisfähigkeit, Sprache, Melodik und Inszenierung seien die Qualitätsmerkmale einer Tragödie. Vereinfacht heisse das: Ein sympathischer Mensch befindet sich im Glück, macht aber einen Fehler, wird vom Widersacher oder von einem System bedroht, stürzt ins Unglück und gewinnt eine Erkenntnis. Der Held müsse sympathisch sein, verdeutlichte Anwander: «Einen Schwerverbrecher, der im Lotto gewinnt, möchte niemand sehen.» 

Schiller und Shakespeare

Nach einem Exkurs zu Schillers Räubern und Shakespeares Sonett 154, das Anwander berührend vortrug, («Vergleich ich dich mit einem Sommertag? Du hast mehr Mass und grössre Lieblichkeit ...»), schwenkte der Literatur-Liebhaber über zu Schiller und seinem Tell. Anwander zeichnete anschaulich das Leben des Dichters nach. Der Herzog von Württemberg habe ihn dazu verdonnert, Regimentsarzt zu werden. Doch schon früh habe er für das Schauspiel gebrannt. Der kränkliche Schiller sei nach Mannheim abgehauen, wo er sein Leben fristete. Johann Wolfgang von Goethe lieferte ihm nach seiner Reise in die Schweiz den Stoff zu Wilhelm Tell, ein Lieblingsbuch des Referenten, als Gegenstück zur blutig wütenden französischen Revolution. 

Der Verleger musste Schiller alle auffindbaren Schriften über die Schweiz liefern, die er akribisch studierte. Schillers Tell, dem mutigen und gottesfürchtigen Jäger, lieferte zahlreiche noch heute bekannte Aphorismen: «Die Axt im Haus erspart den Zimmermann» oder «Früh übt sich, wer ein Meister werden will» sind nur zwei davon. Eine Zuschauerin fragte, ob Schiller Cervantes «Don Quijote» gelesen habe? Gabriel Anwander bejahte das, denn Schiller soll nach einer Aufführung von «Die Räuber» bemerkt haben: «Karl hat zu viel von Don Quijote!»



09.11.2017 :: cbs
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