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An Schlaf ist nicht zu denken
An Schlaf ist nicht zu denken Entlebuch:

Die Bühne Amt Entlelbuch präsentiert mit «Schlafzimmergäste» eine Komödie, die auf humorvolle Art das Hintergründige im Alltäglichen zeigt. 


 

Der Verein «Bühne Amt Entlebuch», bekannt für ungewöhnliche Theaterstücke, präsentiert alle zwei Jahre in der «Schüür» Heiligkreuz ein Theater mit Laienschauspielern aus der Region. Vergangenen Freitag war Premiere der achten Produktion: Die 1975 uraufgeführte Komödie namens «Bedroom Farce» von Sir Alan Ayckbourn. Der Luzerner Theatermacher und Regisseur Reto Bernhard übertrug die deutsche Übersetzung «Schlafzimmergäste» in Luzerner Mundart und inszenierte sie mit acht Spielerinnen und Spielern im Alter von 22 bis 62 Jahren. Die von Rita Kuster ausgewählten Alltagskostüme unterstreichen deren Rollen und Charakteren auf eindrückliche Weise.  

Der Bühne Amt Entlebuch gelang es wiederum, in der leeren Scheune ein stimmungsvolles Bühnenbild zu installieren: Drei offene Schlafzimmer ohne Trennwände, die sich in den Zuschauerraum fortsetzen. Der Musiker Marcel Vogler aus Luzern begleitet auf der Tribüne das gesamte Spiel mit zur Stimmung passender Live-Musik.  

Eine geplatzte Party 

Wie ein Voyeur dringt man als Zuschauer in die Schlafzimmer und Intimsphäre dreier verschiedener Paare ein und lernt dabei auch noch zwei weitere Schlafzimmergäste kennen, die das Leben der ersteren durcheinander bringen. Dabei beginnt alles ganz harmlos mit Delia und Ernst, die sich in ihrem Schlafzimmer zur jährlichen Feier ihres Hochzeitstages bereit machen. Doch Delia denkt unablässig an die unglückliche Ehe ihres Sohnes Thomas mit der bösen Schwiegertochter Susanne, derweil sich Ehemann Ernst über undichte Stellen im Dach und eindringendes Wasser ärgert. Bevor man sich zu fragen beginnt, ob vielleicht in dieser Ehe auch nicht alles dicht ist, befindet man sich schon im Schlafzimmer von Nick und Jeanine. Während Nick stöhnend mit Rückenschmerzen im Bett liegt, macht sich Jeanine schön für die Party. Dass dies ihrem Gatten nicht gefällt, scheint aber nicht der springende Punkt zu sein. Das Problem ist vielmehr der abwesende Thomas, mit dem Jeanine selbst mal befreundet war.

So ist man als Zuschauer direkt froh in Marcos und Katjas Schlafzimmer hinein schauen zu dürfen, in ein etwas unordentliches, aber erfrischendes Liebesnest eines Paares, das gerade dabei ist, eine Party für 30 Gäste vorzubereiten. Dumm ist nur, dass Thomas und Susanne auch eingeladen sind. Und das heisst, Ärger ist vorprogrammiert. Denn kurz darauf stösst die halbnackt aus dem Badezimmer kommende Katja im Schlafzimmer auf Thomas, eine Szene voller hintergründigem, englischem Humor. 

Der steife Thomas mit Anzug und Krawatte und die unkomplizierte Katja wirken dabei so real, dass man als Beobachter fast selbst ein Teil des Geschehens wird. Als später noch Susanne ins Zimmer platzt, ist auch die Party endgültig geplatzt.

Schlafen kann nach diesem misslungenen Abend natürlich niemand mehr. Weder bei Katja und Marco, noch bei Nick und Jeanine kehrt Ruhe ein. Nicht besser geht es Delia und Ernst, als sie frustriert vom Restaurantbesuch nach Hause kommen. Die Schlafzimmergäste rauben auch ihnen den Schlaf. 

Die Probleme werden immer komplexer und die Missverständnisse auch. Und als Zuschauer sitzt man mittendrin, konfrontiert mit Themen, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Doch da nimmt die Geschichte völlig überraschend eine unerwartete Wende. 

Intensive Auseinandersetzung

Nach der Vorstellung traf sich das Publikum mit den Theaterleuten zum Apéro im Kurhaus. Einer der Darsteller, der gebürtige Romooser Jerry Duss, spielt als Laienschauspieler seit 13 Jahren Theater und trat schon in verschiedensten Rollen auf verschiedensten Theaterbühnen auf. Bei der Bühne Amt Entlebuch ist er das dritte Mal dabei. «Die Arbeit ist schon intensiv», sagte er. Seit Dezember letzten Jahres probte er zwei Mal pro Woche. Dazu kamen noch regelmässige Probe-Weekends und die berufliche Tätigkeit als Primarlehrer. 

In seiner Rolle als Gastgeber Marco, der die Party-Gäste empfangen und verabschieden muss, wirkt er in Auftreten und Sprache sehr authentisch. «Wir haben uns intensiv mit den Charaktereigenschaften der einzelnen Personen und Paare auseinandergesetzt», erklärte er. Ein weiterer Grund für den Erfolg des Stücks spielt neben der Auseinandersetzung mit dem Stoff auch die Tatsache, dass die Komödie von alltäglichen Problemen handelt, die das Leben nicht besser hätte schreiben können. Sir Alan Ayck-bourn, einer der populärsten englischen Komödienautoren, gilt nicht umsonst als genialer Menschenkenner. 

 

 

Die Komödie ist noch bis zum  10. Juni zu sehen und zwar am 19., 20., 24., 27. und 31. Mai sowie am 3., 7., 9. und 10. Juni um 20 Uhr, sowie am 25. Mai und 4. Juni um 17 Uhr. 


 

18.05.2017 :: Bernadette Waser
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