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Alte Tanzmusik neu entdeckt und wiederbelebt
Alte Tanzmusik neu entdeckt  und wiederbelebt Schüpfheim:

Die Husistein-Musik liess mit ihrem Konzert «Im Galopp zum Tanze» alte, verloren geglaubte Tanzmusik aus dem 19. Jahrhundert im Entlebucherhaus wieder aufleben.

Zu verdanken ist das Aufleben der alten Musik dem Willisauer Adrian Steger und der Entlebucherin Evi Güdel-Tanner. Die in Flühli aufgewachsene Lehrerin, die an der Schule Ebnet unterrichtete, Klarinette, Klavier, Orgel und Fagott spielt, nahm sich als erfahrene Komponistin und Arrangeurin der wieder aufgetauchten Tänze an. 

Die fünf Husistein-Musikanten Armin Müller (Klarinette), Lukas Erni (Flügelhorn), Evi Güdel (Fagott), Andri Mischol und Rita Rohrer (Violinen) legten gleich los mit einem Stück von Carl Faust (Galopp Nr. 69), dem sie den Namen «Ohne Zügel und ohne Bügel» gaben. «Wir bereiten den Leuten Freude, wie das die Husistein-Musik im 19. Jahrhundert getan hat», sagte Andri Mischol und fuhr weiter mit der harmonischen Freundschaftspolka Nr. 93.  

Alte Stücke mit neuem Namen

Ein wahrer Hörgenuss und Wellness für die Ohren boten der Wellness--Schottisch und die Glöckchen-Polka mit dem deutlich hörbaren Glockenklag. Nur der Name des Komponisten liess sich aus der alten Handschrift nicht genau entziffern. Im Postauto--Schottisch und im bekannten Walzer «Dürs Oberland uf» lebten Versatzstücke alter Volkslieder auf. Interessant ist auch, wie die alten Stücke zu neuen Namen kamen. Die Mazurka Unter Palmen und die Tiefschnee--Polka entstanden, als Rita Roher sich unter Palmen erholte und Andri -Mischol sich in den Skiferien ver-gnügte, während Evi Güdel am Arbeiten war. Zu den eingängigen Tanzmusik-Melodien hätte man am liebsten gleich getanzt. 

Drei kurze Zugaben

Der offizielle Teil endete wie er begonnen hatte: mit einer Komposition von Carl Faust (Galopp Nr. 78), das die Husistein-Musikanten «Auf und davon» nannten. Bei der Zugabe Abschluss-Polka verliessen die Fünf den Saal, nur um gleich wieder zurückzukommen, wie es sich für die Husistein-Tanzmusik gehört, die immer mit «drei Stumpen» (kurze Zugaben) endet. Und so schloss der Abend mit dem Luterbach-Lied. Getreu dem Schluss-vers «Drum gang i ned hei» ging es an der Bar weiter. «Wir haben vor dem ersten Auftritt gedacht, dass das nur eine einmalige Sache wird», erzählte Evi Güdel. «Doch der Erfolg war so überwältigend, dass wir mit unserem Programm ‹Im Galopp zum Tanze› seit 2018 auf Tournee sind. Im Juli werden wir die Schweiz am 40. Euroradio--Folk-Festival in Deutschland vertreten, weil unsere Musik international ist.»

Ländlermusik verdrängte die Tanzmusik

Der 1799 geborenen Anton Husistein hatte beruflich als Schuhmacher mit Pechfäden zu tun. Tanzmusik sei für den Geige und Trompete spielenden Handwerker, der in Ettiswil seine Pächtonali-Musik gründete, ein Nebenverdienst gewesen, erzählte Andri Mischol aus dem Leben von Anton Husisten. Seine zwei Söhne traten als «Husistein-Tanzmusik» auf, zusammen mit der Ettiswiler Familie von Franz Josef Steger. Tanzmusikgesellschaften bestanden damals aus zwei Geigern, einem Klarinettisten und zwei bis fünf weiteren Bläsern. Sie spielten an Hochzeiten, Jahrmärkten, der Fasnacht und Festanlässen in- und ausserhalb der Schweiz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verdrängte Ländlermusik die Tanzmusik und die Husistein-Tanzmusik ging vergessen. 

Repertoire mit 65 Stücken

«Doch Adrian Steger, Leiter Musik-instrumentensammlung Willisau, glaubte stets an die Existenz handgeschriebener Notenbücher seiner Vorfahren», berichtete Andri Mischol weiter. 2014 fand er beim Umzug des ehemaligen Wiggentaler Museums die Noten aus dem Nachlass Jakob Stegers, Schreiner, Musiker und -Mitglied der Husistein-Tanzmusik. Es war die Geburt der neuen Husistein--
Musik mit einem Repertoire von 65 Stücken. 

07.02.2019 :: Bernadette Waser
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