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«Alle müssen einander vertrauen können»
«Alle müssen einander vertrauen können» Flühli:

170 Bäume wurden in zwei Tagen per Helikopter aus dem Wald entlang der Lammschlucht ausgeflogen. Möglich wird dies nur dank einer eingespielten Equipe. 

Im steilen Schutzwald oberhalb der Kantonsstrasse Schüpfheim–Flühli-Sörenberg steigt Franz Arnold, gelernter Forstwart und Kletterspezialist, auf eine mächtige, schief stehende Tanne. 

Ein fernes Brummen wird immer lauter. Über dem Baumkronendach im lichten Nebel taucht ein rotweisser Helikopter auf. An diesem ist ein 50 Meter langes Seil befestigt, das der Forstwart mit dem vorbefestigten Anhängeseil am Baumwipfel anhängt. Anschliessend sägt der Fachmann den Stammteil ab. Der Helikopter verharrt schwebend, bis der Pilot vom Baumkletterer per Funk angewiesen wird, das abgesägte Giebelstück auszufliegen. Die ganze Operation dauert weniger als eine Minute.

«Stehend Fällen» wird dieses Arbeitsverfahren in der Fachsprache genannt. «Ich bin an Seilen gesichert, jeder Handgriff muss sitzen und die Kommandos per Funk müssen nach klaren Regeln erfolgen», erklärt Franz Arnold. Die Rotorblätter des Helikopters würden viel Abwind verursachen. Deswegen müsse er besonders auf abbrechende Äste achten. «Pro Tag steige ich etwa auf 20 Bäume, beladen mit einer Motorsäge, Seilen und weiterem Material. Das ist eine strenge Arbeit. Übers Wochenende ist dann vor allem körperliche Erholung angesagt», ergänzt er mit einem Augenzwinkern.

Arbeitssicherheit hat oberste Priorität

«Besonders wichtig sind die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen», betont Erwin Meier, Leiter des luzernischen Staatsforstbetriebes. Als Vertreter der Trägerschaft koordiniert er die Einsätze der verschiedenen Akteure an diesem Projekt. Für derartige Arbeiten sei eine tadellose Organisation nötig und es dürften nur erfahrene Profis eingesetzt werden. «Im Wald arbeiten fünf Zweierteams des Unternehmens Rotex Helikopter AG aus Kägiswil. Der erfahrene Helikopterpilot holt etwa alle drei Minuten ein Stammstück samt Ästen ab», weiss Meier zu berichten. Am Absenkplatz sorgt eine weitere Equipe für das Entfernen der Anhängeseile. Ein Team des Staatsforstbetriebes rüstet und lagert das Holz in den gewünschten Sortimenten. Schliesslich würde ein Sicherheitsdienst auf der Kantonsstrasse die Verkehrsteilnehmer kurz anhalten, wenn ein Helikopter mit Baumteilen die Strasse überfliegt. Besonders wichtig sei die Kommunikation. Alle Akteure seien mit Funkhelmen ausgerüstet, sagt der routinierte Förster und fügt an: «Wir sind eine eingespielte Equipe, alle müssen einander vertrauen können. Damit können Unfälle bei dieser heiklen Arbeit vermieden werden.» 

Wald schützt Kantonsstrasse

Der Hang oberhalb der Kantonsstrasse in der Lammschlucht ist äusserst steil. Damit der Wald seine Schutzfunktionen – vor allem gegen Steinschlag – wahrnehmen kann, muss er durchforstet und verjüngt werden. «Wir entfernen Bäume, die instabil oder windwurfgefährdet sind. Wenn sie mitsamt dem Wurzelstock umfallen, werden sie Steine lösen oder sogar Rutsche verursachen und so die Verkehrsteilnehmer gefährden», begründet Urs Felder, Fachleiter Schutzwald und Leiter der Waldregion Entlebuch, den Pflegeeingriff. Felder betont, dass aus Kostengründen nur das Nötigste gemacht werde. Kleinere Bäume, die aus Stabilitätsgründen entfernt werden müssten, würden hangparallel gefällt und als Steinschlagschutz liegengelassen. Die Helikopterholzerei sei teuer, aber unumgänglich, wo die Strasse nur kurz gesperrt werden könne oder ein Holztransport mit der Seilbahn gar nicht erst möglich sei. «Schutzwaldpflege ist eine Daueraufgabe. Durch die getroffenen Massnahmen wird die Strasse sicherer, ein Restrisiko besteht aber immer», sagt der erfahrene Naturgefahrenspezialist.

Es waren viele Vorarbeiten nötig

Urs Felder und Martin Langenberg, Revierförster von Escholmatt-Marbach, haben auf Basis des Waldfunktionsplanes ein Schutzwaldpflegeprojekt ausgearbeitet. Danach folgten Verhandlungen mit den drei betroffenen Waldeigentümern; anschliessend galt es, eine Trägerschaft zu gründen und die Projektleitung für die Realisierung zu bestimmen. Auch die Verteilung der Restkosten musste ebenfalls  geklärt werden, lange bevor Franz Arnold auf die ersten der bezeichneten Bäume kletterte.

Sicherheit hat ihren Preis

Im Gebiet Lammschlucht und Chlusen wurden letzte Woche sieben Hektaren Schutzwald gepflegt. Es wurden 170 Bäume ausgeflogen. Das entspricht etwa 350 Kubikmetern Holz und viel Astmaterial. Der Kostenvoranschlag betrug 150’000 Franken. Der Holzertrag war hingegen nur mit gut 10’000 Franken veranschlagt. Die verbleibenden Restkosten werden durch Beiträge von Bund und Kanton
(je 40 Prozent) sowie der Nutzniesserin, der Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern, getragen (20 Prozent).

23.11.2017 :: Walter Marti
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