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«Abschiessen ist illegal und bringt niemanden weiter»
«Abschiessen ist illegal und bringt niemanden weiter» Emmental:

 Der Wolf polarisiert. Viele Nutztierhalter sorgen sich um die Sicherheit ihrer Tiere und möchten den Wolf eliminieren. Die Wildhut setzt auf Information, so kürzlich in Schangnau.

«Die Stimmung in Schangnau und den umliegenden Gemeinden ist in Sachen Wolf gereizt», sagt Fritz Reber, Landwirt und (noch bis Ende Mai) SVP-Grossrat. Die meisten wollten den Wolf am liebsten abschiessen, was illegal wäre, da er geschützt ist. Um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, organisierte Reber auf Wunsch des Wildhüters Fritz Dürig einen Informationsabend in Schangnau. «Ziel war es, den Nutztierhaltern aufzuzeigen, was für Schutzmassnahmen sie treffen können, was die Aufgaben der Wildhut sind und was für Entschädigungen entrichtet werden», sagt Fritz Reber. Ebenfalls anwesend war mit Martin Jutzeler der Herdenschutzbeauftragte des Kantons Bern. 

Angst vor einem Rudel

Eine sachliche Diskussion über den Wolf zu führen, sei schwierig, gibt Fritz Reber zu, das Verständnis für das Raubtier klein. «Viele haben Angst, dass sich Rudel bilden, wenn dem Wolf nicht Einhalt geboten wird.» Landwirte sorgten sich um ihre Tiere, zumal der Wolf sich nicht wie der Luchs mit einem Tier begnüge, sondern oft mehrere töte oder schwer verletze. Das sei ein schlimmer Anblick für die Besitzer. Die Herden mit Zäunen zu schützen, lasse die Topografie nicht in jedem Fall zu. Alle Weiden neu einzuzäunen, bedeute ein grosser Aufwand und – trotz Bundesbeiträgen – eine finanzielle Belastung, gibt Fritz Reber zu bedenken. Es gebe zudem keine Garantie, dass dies den Wolf abhalte. Auch Herdenschutzhunde seien nicht in jedem Fall eine Lösung. «In unserer Region gibt es kaum grosse Herden, die meisten
halten zehn, zwanzig Schafe oder Ziegen, da lohnen sich Schutzhunde nicht.» Zudem könnten diese zu anderen Problemen führen, etwa mit Wanderern und Bikern. Fritz Reber rechnet damit, dass es zu weiteren Übergriffen des Wolfs auf Nutztiere kommen wird. Er hofft nun, dass die Lockerung des Schutzstatus’ bald umgesetzt wird (siehe Kasten). 

Dieses Jahr drei Schafe gerissen

Dass im oberen Emmental schon seit letztem Jahr ein Wolf unterwegs ist, bestätigt Wildhüter Fritz Dürig. Es handle sich um den M76 (siehe Artikel rechts), er stamme vom Calanda-Rudel im Kanton Graubünden ab. Das Männchen habe im März und April drei Schafe in Linden und Eggiwil gerissen. Er sei schon oft gesichtet worden und sie hätten DNA-Beweise. Der Wildhüter weiss, dass die Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung der Region gross sind. «Für viele gibt es nur eine Lösung: abschies-
sen.» Doch diese Haltung bringe einen nicht weiter, betont Fritz Dürig. Erstens sei es illegal, und zweitens komme irgendwann ein anderer Wolf, wenn der M76 getötet werde, und man sei wieder gleich weit wie heute. Fortzsetzung Seite 2

  

Schutz verringern und Bestand dezimieren

Der Wolf beschäftigt die Politik. So will der Bundesrat dessen Schutz von «streng geschützt» auf «geschützt» zurückstufen lassen. Der Antrag muss bis Ende Juli beim Europarat eingereicht werden, denn der Schutz des Wolfs ist in der Berner Konvention geregelt. Das ist ein internationales Abkommen zum Schutz von Arten und Lebensräumen in Europa. 

Weiter ist der Wolf auch bei der Teilrevision des Jagdgesetzes ein Thema. Der Wolfbestand soll gemäss Bundesrat dezimiert werden können, wenn es trotz Präventionsmassnahmen zu «grossen Schäden» kommt oder Menschen gefährdet werden. Bisher können nur einzelne Tiere geschossen werden, wenn sie eine bestimmte Anzahl Nutztiere reissen.

Ende April hat sich die Umweltkommission des Ständerates mit der Revision des Jagdgesetzes befasst. Sie beantragt dem Ständerat mit sechs zu fünf Stimmen, auf strenge Bedingungen zu verzichten. So sollen Abschüsse von Wölfen auch ohne grosse Schäden möglich sein. Zudem soll keine absolute Pflicht zu Herdenschutzmassnahmen bestehen. Als nächstes entscheidet der Ständerat, voraussichtlich in der Sommersession, anschliessend geht das revidierte Jagdgesetz an den Nationalrat. 

Abschuss auf Vorrat?

Die Umweltverbände Pro Natura, WWF Schweiz und Bird-Life Schweiz bezeichnen den Gesetzesvorschlag der Umwelkommission als «Abschussgesetz». Gefährdete einheimische Wildtiere würden nicht mehr geschützt, sondern «auf Vorrat abgeschossen», indem bereits «wahrscheinliche Schäden» als Grund zum Abschuss von Tieren ins Feld geführt werden könnten.  

Wolfsgegner wie die kürzlich in Thun gegründete «Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren» sprechen sich für eine weitergehende Lockerung des Schutzes aus. Bei Angriffen auf Nutztiere müsse der Abschuss sofort möglich sein. Der Verein «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere» erachtet die Kündigung der Berner Konvention als erfolgversprechendsten Weg. 

 

10.05.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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