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Der Südanflug würde Starts auf der Falkenfluh praktisch verunmöglichen
Der Südanflug würde Starts auf der  Falkenfluh praktisch verunmöglichen Emmental: Der geplante Süd-anflug auf das Belpmoos würde sich bis ins Emmental auswirken. Das «Delta-Team Falkenflue»
befürchtet sein Ende, Gemeinden rechnen mit mehr Fluglärm.
«Wenn der Südanflug so kommt, wie er jetzt vorgesehen ist, können wir zusammenpacken», sagt Karl Stucki, Präsident der Stiftung «Delta-Team Falkenflue». Grund dafür seien die Kontrollzonen im Luftraum, die stark erweitert werden sollen. Die Startrampe auf der Falkenfluh würde neu darin zu liegen kommen. Doch nicht nur der Start, sondern auch das Fliegen an sich sei gefährdet. «Ab einer Höhe von 1500 Meter über Meer wird der Luftraum für Kleinflieger, Gleitschirme, Deltasegler und Ballone praktisch gesperrt», erklärt Karl Stucki. Dies deshalb, weil diese Zone nur passieren dürfe, wer mit dem Tower per Funk Kontakt aufnehme und das OK dafür erhalte. «Wir verfügen nicht über Funk, und als Deltasegler muss man auf 2500 Meter und mehr aufsteigen können.» Weil die ganze Region dieser erweiterten Kontrollzone unterstehe, sei es auch nicht möglich, die Startrampe an einen anderen Ort zu verschieben, erklärt Stucki. Das Delta-Team, das seit 1978 besteht und knapp 100 Mitglieder zählt, müsste dann wohl den Betrieb einstellen.

Tiefer fliegender Durchgangsverkehr
Mit diesem erweiterten, kontrollierten Luftraum befinde sich neu ein Deckel über dem ganzen Aaretal, dem Thuner Ostamt und dem oberen Emmental. Dies habe Auswirkungen nicht nur auf den Verein, sondern auch auf andere Flugteilnehmer und die ganze Bevölkerung, betont Karl Stucki. Zum Problem werde insbesondere der Durchgangsverkehr Ost-West und umgekehrt. Wegen der maximalen Flughöhe müsse dieser auf geringerer Höhe als bisher fliegen. «Natürlich heisst es von Seiten des Flughafens, man dürfe den kontrollierten Luftraum mit der Bewilligung des Towers durchqueren.» Für Karl Stucki besteht diese Möglichkeit aber nur in der Theorie. «Erstens wird diese Bewilligung längst nicht immer erteilt, und zweitens will ein Pilot, der nur durchfliegen möchte, sich nicht unbedingt im kontrollierten Luftraum bewegen.» In der Praxis sehe es dann so aus, dass zum Beispiel das Dorf Linden noch in einer Höhe von 400 Meter überflogen werde. Bisher sei es etwa doppelt so hoch gewesen. Das führe zu deutlich mehr Fluglärm.

Angst vor mehr Südanflügen
Es sind noch weitere Bedenken, welche die Deltasegler bewogen haben, Einsprache gegen den geplanten Südanflug einzureichen und Gemeinden auf die Problematik aufmerksam zu machen. Es sei zu befürchten, dass  der Flugplatz Belpmoos mit dem neuen GPS-Anflug insbesondere für Privat-Jets attraktiver werde. «Eine Garantie, dass es pro Tag tatsächlich nur zu fünf bis sieben Südanflügen kommen wird, wie es offiziell heisst, kann niemand abgeben. Da braucht es nur Wind aus Norden, was oft der Fall ist, und die Südanflüge werden Überhand nehmen», sagt Karl Stucki. Er hofft nun, dass die zuständigen Stellen ein Einsehen haben und den Luftraum so belassen, wie er heute ist. «Höchstens wäre ein eingeschränkter Südanflug mit einer deutlich kleineren Kontrollzone denkbar.»

Mit vielen Einsprachen gerechnet
Nicht nur das «Delta-Team Falkenflue» ist dem Südanflug gegenüber kritisch eingestellt. Insgesamt sind beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) über 200 Einsprachen eingegangen, davon neun von Emmentaler Gemeinden (siehe Artikel rechts). Nicht überrascht von dieser Anzahl ist Daniel Steffen, Mediensprecher des Flughafens Bern-Belp. «Damit war zu rechnen, denn ein Flughafen polarisiert immer, steht er nun in Zürich oder in Bern.» Viele Ängste von Einsprechern hält er für unbegründet. So sei die maximale Anzahl Flugbewegungen festgelegt und dürfe nicht überschritten werden. Auf dem Belpmoos sind 75’000 Bewegungen pro Jahr erlaubt. Aktuell sei man bei 56’000, sagt Steffen. Den Südanflug wolle man nicht einführen, um attraktiver zu werden, sondern weil er mit dem satellitengestützten Anflug zusammenhänge. Dieses System sei ein internationaler Standard, den die Schweiz übernehmen müsse. Stark besiedelte Gebiete wie Bern oder Muri könnten künftig vom Fluglärm entlastet werden. Zudem werde die Sicherheit bei schlechtem Wetter erhöht. Dass der Fluglärm dann andernorts auftrete, sei nicht von der Hand zu weisen. «In der dicht besiedelten Schweiz ist es kaum möglich, nirgends ein Haus zu überfliegen», sagt Daniel Steffen. Bei der aktuellen Anzahl Flugbewegungen wären mit täglich fünf bis sieben Südanflügen zu rechnen, maximal könnten es im Jahresdurchschnitt sieben bis zehn sein. «Dabei wird das Wetter eine wichtige Rolle spielen; man landet nun einmal gegen den Wind.»

Nur Kleinflugzeuge unter 1500 Meter
Für die Struktur des Luftraums, also wer wo wie hoch fliegen kann, sei nicht der Flugplatz, sondern Skyguide und das BAZL zuständig, so Steffen.  Grundsätzlich sei es möglich, im kontrollierten Luftraum zu fliegen, das bedinge aber Funkkontakt zum Tower. Wer nicht über Funk und entsprechende Englischkenntnisse verfüge, werde wohl unterhalb der 1500 Meter über Meer fliegen. «Das sind aber nicht grosse Maschinen, sondern Kleinflugzeuge, und die fliegen schon heute kaum höher.» Dass es für das «Delta-Team Falkenflue» schwierig wird, bestreitet Daniel Steffen nicht. «Es besteht aber die Möglichkeit, an diverse andere Orte, zum Beispiel im Oberland, auszuweichen.»
20.02.2014 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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