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85 Minuten im Banne der Musik
85 Minuten im Banne der Musik Langnau:

Am Wochenende führte der Konzertverein Langnau das Requiem von Guiseppe Verdi auf. Es war das erste Mal, dass dieses monumentale Werk in Langnau zur Aufführung kam.

Der Konzertchor und das Langnauer Orchester zeigten sich in der Kirche Langnau mit rund 110 Sängerinnen und Sängern und zirka 60 Musikerinnen und Musikern in grosser Besetzung. Als ausgezeichnete Solisten wirkten Svetlana Aksenova, Sopran, Judith Lüpold, Mezzosopran, Rolf Romei, Tenor, und Ulrich Simon Eggimann, Bass mit. Die Leitung der Aufführungen hatte wie üblich seit elf Jahren Christoph Metzger.

Guiseppe Verdi stellt in seinem Requiem die Todesangst des Menschen dar und seine Sehnsucht nach dem göttlichen Licht. Wirkungsvolle Steigerungen und Beschleunigungen, starke Kontraste, eindrückliche Chöre und Arien verleihen der Messe opernhafte Züge. Die Besetzung entspricht einem grossen Opernorches-ter mit vier Solisten (Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass) und vier- bis achtstimmigem Chor.

Angst und Schrecken

Die Aufführung von Verdis Requiem zog das Publikum von Anfang an in seinen Bann. Die Musik in ihrer kunstvollen Art und gewaltigen Eindrücklichkeit berührte unmittelbar. Sie begann quasi aus der Stille mit ganz leisen Tönen der Celli. Weitere Instrumente setzten sanft ein. Die am deutlichsten von den Fagotten zu hörende Musik stieg ab und verklang – sie erstarb.

Das «Dies irae» im Fortissimo mit lauten Paukenschlägen jagte den Zuhörern direkt Angst ein. Das Orchester schickte speiende Flammen in die Kirche hinaus. Trompetensignale ertönten nicht nur von vorne, sondern auch von hinten. Im Eingang der Kirche spielten die vier Ferntrompeter hinter verschlossener Türe. So entstand der Eindruck, von allen Seiten vom Schrecken des Gerichts umgeben zu sein. Plötzlich herrschte totenstille. Die Streichinstrumente setzten stockend und leise wieder ein und der Bass-Solist deklamierte «mors» – Tod dreimal nur als einzelnes Wort. «Dies irae» – Tag der Rache wurde vom Chor noch ein paar Mal in das Stück eingeworfen. Dadurch brannte sich dieses Motiv dem Publikum in Ohr und Gehirn ein. 

Hoffnungsvolle Klänge

Das doppelchörige Loblied «Sanctus» erklang fröhlich und tänzerisch. Es steigerte sich in ein riesiges Fortissimo. Im «Lux aeterna» kamen viele feine hohe Töne vor als Symbol für das ewige Licht. Die Solostimmen von Mezzosopran und Tenor klangen hoffnungsvoll und tröstlich. Der Solo-Bass gab den Boden für die ewige Ruhe. Die Flöten machten mit schwebenden Tönen den Schluss.

Rezitierende Passagen im «Libera me» von Solo-Sopran und Chor brachten das angstvolle Zittern zum Ausdruck. Der Zorn Gottes erschien im Fortissimo in absteigenden Linien. «Dies irae» wurde von allen Chorstimmen laut und drängend wiederholt. Allein im Jammer landete der Solo-Bass in der Tiefe. Das Requiem schloss mit einem leisen, geheimnisvollen C-Dur-Akkord, der offen lässt, ob die Bitte nach Erlösung erfüllt wird.

Alle beteiligten Interpreten meisterten das anspruchsvolle Werk mit Bravour. Es gelang ihnen eindrücklich, den Text der Totenmesse mit ihrer Musik zum Ausdruck zu bringen. Die grandiose Aufführung wird in den Zuhörern noch lange nachklingen.

08.02.2018 :: Sylvia Ammann
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