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Sternstunden auf und an der Ilfis
Sternstunden auf und an der Ilfis Leuchtende Sterne auf der Ilfis: Die Installation von Regine Ramseier zum Thema Migration soll ein Zeichen der Hoffnung und der Solidarität sein. 
«Migration ist ein Thema, das mich bereits lange Zeit beschäftigt», sagt die Langnauer Künstlerin Regine Ramseier. Mit einer Installation von leuchtenden Sternen auf der Ilfis will sie Ende Oktober auch in Langnau einen Beitrag zu diesem Thema leisten. Dies hat sie schon in mehreren ihrer Kunstprojekten getan. Vor zehn Jahren beispielsweise schuf sie für die Openart in Roveredo den rund 20 Quadratmeter messenden roten «Entwurzelungsteppich» mit 800 Maiswurzeln – einer Migrationspflanze (siehe Bild unten). Diese Pflanze migrierte aus Zentralamerika und hat sich auf der ganzen Welt verbreitet. Die rote Farbe zieht sich auch durch andere ihrer Werke zum Thema Migration. «Rot symbolisiert Leben, und auch den schmerzhaften Prozess der Migration, welche sich auf der ganzen Welt wie ein Teppich ausbreitet», begründet die Künstlerin ihre Farb- und Motivwahl. Auch der Ort der Ausstellung verlieh dem Werk Symbolkraft. In der Erklärung ihres Werks schrieb Regine Ramseier damals: «Roveredo liegt auf dem Weg von Norden nach Süden und der Teppich liegt auf der Nord-Südachse – Symbol für die Völkerwanderungen zu früheren Zeiten. Die Völkerwanderungen werden weiter zunehmen und damit die entwurzelten Menschen.»

Migration im eigenen Land
Dass sie immer wieder auf das Thema Migration stosse, hänge auch damit zusammen, dass sie Migration im eigenen Land erfahren habe – wenn auch in einem verhältnismässig geringen Ausmass, sagt Regine Ramseier. Die Langnauerin lebte einige Jahre im Tessin. «Als Deutschschweizerin wurde ich dort lange Zeit abgelehnt. Ich musste erst viel leisten, die Sprache korrekt sprechen und auch sonst viel lernen im Umgang mit den Einheimischen, bis ich akzeptiert wurde. Das war mitunter ziemlich schmerzhaft.» Diese Erfahrungen hätten sie sensibilisiert für Menschen, die noch viel mehr unter Migration leiden würden.

Ein Zeichen der Hoffnung und Solidarität
Mit der Installation «Sternstunden an der Ilfis» will die Künstlerin einen Gegenpunkt setzen zu der rauhen Realität der entwurzelten Pflanzen und Menschen; vielleicht auch nur für einen kurzen Augenblick, wie dies für Sternstunden halt so üblich sei. In ihrer Einladung zum Anlass schreibt sie: «Es sind die Sterne, welche uns den Weg weisen. Wir schauen hoch und betrachten sie in weiter Ferne. Nun ist es, als habe der Himmel die Sterne ausgeschüttet und sie als Zeichen der Hoffnung und der Solidarität auf unsere Ilfis gestreut.»
Diese Installation realisierte Regine Ramseier kürzlich bereits auf dem Rio in Mantova/Italien, zusammen mit anderen Künstlern. Ein Zusammenarbeitsprojekt soll es auch in Langnau sein. Die Künstlerin will die Sterne für den Ilfis-Einsatz zusammen mit dem Verein «Langnau Interkulturell» flott machen. Dieser Verein unterstützt Migranten bei ihrer Integration. «Allein schon die gemeinsamen Vorbereitungsarbeiten werden bei den Beteiligten zu Sternstunden führen», ist Regine Ramseier überzeugt. 

Gespannt, wie die Sterne wirken
Die Sterne und Lichter auf dem Fluss anordnen, sie so zu befestigen, dass sie gut wirken und nicht davonschwimmen, ist dann wieder Sache der Künstlerin. «Ich bin gespannt, wie die 150 mit brennenden Kerzen bestückten Sterne auf dem Wasser der Ilfis wirken werden.» Mit Überraschungen dürfe und müsse sie bei Projekten in der Natur immer rechnen. In Italien beispielsweise erwies sich ein Wels als Störenfried. Der über ein Meter lange Fisch habe sich an den Styropor-Sternen gütlich getan und habe auch die Nylonfäden durcheinander gebracht. «Mit solchen Problemen muss ich hier wohl nicht rechnen.» Regine Ramseier denkt lieber an die leuchtenden Sterne auf der Ilfis und an die leuchtenden Augen der Betrachter.

Die Sterne können an den Ateliertagen vom 21. bis 23. Oktober im Atelier von Regine Ramseier an der Burgdorfstrasse 48 für 15 Franken erworben werden.Der Erlös kommt «Langnau Interkulturell» zugut. Die Sternstunden an der Ilfis finden dann am Samstag und Sonntag, 29. und 30. Oktober, zirka 18 Uhr statt, unterhalb des Coop-Areals bis zum Ilfissteg bei der Zürchermatte. Bei ungünstigem Wetter und/oder Wasserstand wird der Anlass am Freitag und Samstag, 11. und 12. November durchgeführt. Sollte es auch dann nicht klappen, würde ein neues Datum gesucht. 
13.10.2016 :: Jakob Hofstetter
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